Leitfaden zur Erstellung von restauratorischen Dokumentationen

Landesdenkmalamt Berlin – Stand 2026


Inhaltsverzeichnis

  1. Präambel
  2. Dokumentation einer Untersuchung
  3. Dokumentation einer MaĂźnahme
  4. Anhang / Bestandteile
  5. Bildliche Dokumentation – Mindestanforderungen
  6. Grafische Dokumentation
  7. Form
  8. Material und Medien
  9. Urheberrecht und Nutzungsrecht
  10. Literatur und Normen

Präambel

Restauratorische Dokumentationen sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Denkmalschutzes. Sie sichern Wissen ĂĽber den Bestand, den Zustand und die Geschichte von KulturgĂĽtern und bilden die Grundlage fĂĽr zukĂĽnftige Entscheidungen ĂĽber Erhaltung, Restaurierung und Nutzung.

Das Landesdenkmalamt Berlin (LDA) hat diesen Leitfaden entwickelt, um Restauratorinnen, Auftraggeberinnen und Denkmalbehörden einen einheitlichen Standard für die Erstellung restauratorischer Dokumentationen an Berliner Kulturdenkmälern zur Verfügung zu stellen.

Der Leitfaden ist verbindlich für alle restauratorischen Dokumentationen, die im Zusammenhang mit denkmalrechtlichen Genehmigungen oder öffentlichen Aufträgen erstellt werden.

Zweck der Dokumentation

  • Sicherung von Befundwissen fĂĽr zukĂĽnftige Generationen
  • Nachweis des Zustands vor, während und nach einer MaĂźnahme
  • Grundlage fĂĽr denkmalpflegerische Entscheidungen
  • Basis fĂĽr Ausschreibungen und Planungen
  • Schutz aller Beteiligten (Auftraggeber, AusfĂĽhrende, Behörde)

Zwei Dokumentationstypen

Der Leitfaden unterscheidet zwei Grundtypen restauratorischer Dokumentationen:

  1. Dokumentation einer Untersuchung – Erfassung des Bestands und Zustands, Entwicklung eines Konzepts
  2. Dokumentation einer Maßnahme – Beschreibung aller durchgeführten Eingriffe und deren Ergebnisse

1. Dokumentation einer Untersuchung

Eine Untersuchungsdokumentation erfasst den Bestand und Zustand eines Kulturguts systematisch und vollständig. Sie bildet die Grundlage für jede spätere Maßnahme.

1.1 Bestandserfassung

Die Bestandserfassung beschreibt den vorhandenen materiellen Bestand des Untersuchungsobjekts:

  • Objekt und Baugattung: Einordnung des Objekts in seinen historischen und typologischen Kontext
  • Bauteil / Bereich: Genauer Untersuchungsbereich innerhalb des Objekts (Gebäudeteil, Ebene, Raum)
  • Konstruktion und Material: Aufbau, Materialien, Techniken, handwerkliche AusfĂĽhrung
  • Ausstattung: Ausstattungselemente, Oberflächen, Farbfassungen
  • Historische Entwicklung: Phasen der Entstehung, Ăśberarbeitungen, Veränderungen

Die Bestandserfassung erfolgt auf Grundlage einer visuellen Untersuchung sowie, wo notwendig, durch Materialentnahmen (Probennahme).

1.2 Zustandserfassung

Die Zustandserfassung dokumentiert den aktuellen Erhaltungszustand des Objekts zum Zeitpunkt der Untersuchung:

  • Vorhandene Schäden: Art, Lage, Umfang und Bewertung (aktiv/passiv)
  • Ursachen: Schadensursachen soweit feststellbar
  • Gefährdungspotenzial: Einschätzung der weiteren Schadentwicklung ohne Eingriff
  • Prioritäten: Dringlichkeit von MaĂźnahmen

Die Zustandserfassung orientiert sich an international anerkannten Terminologien, insbesondere:

  • ICOMOS-ISCS 2010 (Illustrated Glossary on Stone Deterioration Patterns)
  • EwaGlos 2016 (European Illustrated Glossary of Conservation Terms)

1.3 Befunddatenblattsystem

Das Befunddatenblattsystem ist das Kernelement der Untersuchungsdokumentation. Jeder relevante Befund erhält ein eigenes Datenblatt.

Pflichtfelder des Befunddatenblatts:

| Feld | Beschreibung | |---|---| | Befundnummer | Eindeutige Nummerierung (pro Projekt fortlaufend) | | Projektbezug | Objekt-Dok.-Nr. | | Lokalisierung | Gebäudeteil / Ebene / Raum-Nr. | | Raumelement | z.B. Wand, Tür, Fenster, Decke, Verkleidung | | OKF (cm) | Höhe über OK Fertigfußboden | | Schichtenaufbau | Tabelle mit Fassung, Schicht, Material, NCS, Analyse | | Befundbeschreibung | Freitextfeld | | Fotozuordnung | Foto-Nr. / Abb.-Nr. | | Fotograf*in | Name | | Datum | der Aufnahme |

Schichtenaufbau-Tabelle:

Die Schichtenaufbautabelle dokumentiert alle Fassungsschichten von auĂźen nach innen (jĂĽngste zuerst):

| Fassung | Schicht | Beschreibung | NCS-Code | Analyse | |---|---|---|---|---| | I (jüngste) | 1 | z.B. Dispersionsfarbe, weiß | NCS S 0500-N | nein | | I | 2 | z.B. Grundierung | – | nein | | II | 1 | z.B. Leimfarbe, gelblich | NCS S 1020-Y | ja | | III | 1 | z.B. Ölfarbe, grau | NCS S 3000-N | nein |

Fassungsnummern: Römische Ziffern (I = jüngste, aufsteigend nach innen)
Schichtnummern: Arabische Ziffern (1 = auĂźen, aufsteigend nach innen)
NCS-Codes: Natural Color System – Angabe soweit ermittelbar
Analyse: Kennzeichnung ob Probe zur Laboranalyse entnommen wurde

1.4 Probennahme

Die Probennahme dokumentiert alle entnommenen Materialproben systematisch.

Pflichtfelder des Probennahmeprotokolls:

| Feld | Beschreibung | |---|---| | Proben-Nr. | Eindeutige Kennzeichnung (P-001, P-002 …) | | Probenmaterial | Art des Materials (Putz, Farbe, Holz, Metall …) | | Art der Entnahme | z.B. Querschliff, Stichprobe, Bohrmehl | | Lokalisierung der Entnahmestelle | Genaue Ortsangabe | | Höhe über OKF | in cm | | Entnahmetiefe | in mm | | Witterung | Temperatur, Luftfeuchtigkeit zum Zeitpunkt der Entnahme | | Datierung | Einschätzung der zeitlichen Zuordnung | | Materialbeschreibung | Makroskopische Beschreibung | | Zweck / Fragestellung | Was soll die Analyse klären? | | Analysemethode | geplante oder durchgeführte Methode |

1.5 Naturwissenschaftliche Analysen

Naturwissenschaftliche Analysen ergänzen die visuelle Untersuchung durch objektive Materialdaten.

Gängige Analysemethoden:

  • Querschliffmikroskopie – Schichtenaufbau, Pigmente, Bindemittel (Durchlicht/Auflicht)
  • REM-EDX – Elementanalyse, Mineralphasen
  • FTIR-Spektroskopie – Organische Bindemittel, FĂĽllstoffe
  • Röntgenbeugung (XRD) – Mineralische Phasen in Pigmenten und Bindemitteln
  • GC-MS – Organische Bindemittel (Ă–le, Harze, Wachse, Proteine)
  • Dendrochronologie – Datierung von Hölzern
  • Radiokohlenstoffdatierung (C14) – Datierung organischer Materialien

Analyseergebnisse mĂĽssen dem Bericht als Anlage beigefĂĽgt werden. Befundauswertung und Schlussfolgerungen sind im Bericht zu dokumentieren.

1.6 Grafische Dokumentation

Die grafische Dokumentation ergänzt die textliche und fotografische Erfassung durch maßstäbliche Zeichnungen und Kartierungen.

Inhalte:

  • Befundkartierung: Eintragung der Befunde in Grundrisse/Ansichten
  • Schichtenprofile: Zeichnerische Darstellung des Schichtenaufbaus
  • Schadenspläne: Kartierung der Schäden mit Legende
  • MaĂźnahmenplanung: Vorgesehene Eingriffsbereiche

Anforderungen:

  • MaĂźstab mindestens 1:50 fĂĽr Raumdarstellungen, 1:20 fĂĽr Details
  • Nordpfeil und MaĂźstabsleiste
  • Legende zu allen verwendeten Symbolen/Farben
  • Angabe des Aufnahmezeitpunkts

1.7 Bildliche Dokumentation

Siehe Kapitel 4: Bildliche Dokumentation – Mindestanforderungen

Bei der Untersuchung sind insbesondere zu dokumentieren:

  • Voruntersuchungszustand (VZ): Zustand vor jeglichem Eingriff
  • Freilegungsschritte: Dokumentation der Befundfreilegung
  • Alle relevanten Befunde: Nahaufnahmen mit MaĂźstab
  • Gesamtansichten: Orientierungsaufnahmen des Untersuchungsbereichs

1.8 Konzept

Das Konzept schlieĂźt die Untersuchungsdokumentation ab und formuliert Handlungsempfehlungen:

Gliederung des Konzepts:

  1. Zusammenfassung der Befunde – Wesentliche Ergebnisse der Untersuchung
  2. Bewertung – Denkmalpflegerische Einschätzung der Befunde
  3. Ziele – Was soll durch die Maßnahme erreicht werden?
  4. Maßnahmenempfehlungen – Konkrete Vorschläge für Eingriffe / Erhaltungsmaßnahmen
  5. Prioritäten – Dringlichkeit der empfohlenen Maßnahmen
  6. Offene Fragen – Weiterer Untersuchungsbedarf

1.9 Ausstattungskatalog

Der Ausstattungskatalog erfasst historische Ausstattungselemente systematisch.

Pflichtfelder:

| Feld | Beschreibung | |---|---| | Thema | Übergeordnete Kategorie (Türen, Fenster, Böden, Decken, Treppen, Wände, Kamine, Ausstattung, Sonstiges) | | Typ | z.B. TYP A, TYP B, TYP C (für gleichartige Elemente) | | Abb.-Nr. | Verweis auf Fotodokumentation | | Eindeutige Lokalisierung | Gebäudeteil / Ebene / Raum-Nr. | | Zeitliche / Künstlerische Zuordnung | z.B. bauzeitlich ca. 1895, Überarbeitung 1930er Jahre | | Lokalisierung (singulär/partiell/vollflächig) | Verbreitung des Typs im Objekt | | Konstruktion | Aufbau, Verbindungen, Ausführungsart | | Materielle Bestandteile / Überarbeitung | Verwendete Materialien, spätere Veränderungen | | Gestaltung / Oberfläche / Farbigkeit | Form, Ornamentik, Beschaffenheit, monochrom/polychrom | | Beschreibung / Anmerkung | Besonderheiten, Unterschiede zum Typ hervorheben | | Foto-Nr. | Zugehörige Aufnahme(n) | | Fotograf*in | Name | | Datum | der Aufnahme |


2. Dokumentation einer MaĂźnahme

Die Maßnahmendokumentation beschreibt alle im Rahmen einer Restaurierung oder Konservierung durchgeführten Eingriffe vollständig und nachvollziehbar.

2.1 Ausgangssituation

Beschreibung des Zustands unmittelbar vor Beginn der MaĂźnahme:

  • Bezugnahme auf vorliegende Untersuchungsdokumentation
  • Aktualisierung der Befund- und Zustandserfassung sofern notwendig
  • Voruntersuchungszustand (VZ) fotografisch dokumentiert

2.2 MaĂźnahmen

Detaillierte Beschreibung aller durchgefĂĽhrten Arbeitsschritte:

FĂĽr jeden Arbeitsschritt ist zu dokumentieren:

  • Bezeichnung der MaĂźnahme: z.B. Festigung, Reinigung, Ergänzung, Retusche
  • Bereich: Genaue Lokalisierung (Gebäudeteil, Raum, Bauteil)
  • Methode / Technik: Genaue Beschreibung der angewandten Methode
  • Materialien und Produkte: Handelsname, Hersteller, Konzentration, Mischungsverhältnis
  • AusfĂĽhrende Firma: Name, ggf. Qualifikation der ausfĂĽhrenden Person
  • Zeitraum: Datum(sbereich) der DurchfĂĽhrung
  • Zwischenzustand (ZZ): Fotografische Dokumentation während der MaĂźnahme

Typische MaĂźnahmen in der restauratorischen Praxis:

  • Konservierung / Festigung
  • Reinigung (trocken / nass / mechanisch / chemisch / Laser)
  • Ergänzung / Kittung / Spachtelung
  • Retusche / Rekonstruktion
  • Ăśberarbeitung der Oberfläche
  • Sicherung / Hinterlegung
  • SchutzmaĂźnahmen

2.3 Ergebnis

Beschreibung des Zustands nach Abschluss aller MaĂźnahmen:

  • Endzustand (EZ): Fotografische Dokumentation des Ergebnisses
  • Beurteilung: Bewertung des erreichten Ergebnisses
  • Empfehlungen: Hinweise fĂĽr zukĂĽnftige Pflege und Erhaltung
  • Wartungsintervalle: Empfohlene Kontrolltermine

2.4 Bildliche Dokumentation der MaĂźnahme

Drei Zustände sind zwingend vollständig zu dokumentieren:

| Kürzel | Bezeichnung | Zeitpunkt | |---|---|---| | VZ | Voruntersuchungszustand | Vor jedem Eingriff | | ZZ | Zwischenzustand | Während der Maßnahme (nach jedem wesentlichen Schritt) | | EZ | Endzustand | Nach vollständigem Abschluss |

2.5 Anhang

Dem Bericht beizufĂĽgende Unterlagen:

  • Analyseergebnisse (Laborbefunde mit Gutachten)
  • Produktdatenblätter der verwendeten Materialien
  • Farbtonkarten / NCS-Belege
  • Historische Fotos und Vergleichsaufnahmen
  • AufmaĂźe und Pläne
  • Schriftverkehr mit Behörden

3. Anhang / Bestandteile

Jede restauratorische Dokumentation besteht aus folgenden Pflichtbestandteilen:

Pflichtbestandteile

  1. Titelblatt mit: Objektname, Adresse, Dokumentationstyp, Bearbeitungszeitraum, Verfasser*in, Datum der Berichterstellung
  2. Projektdatenblatt (vollständig ausgefüllt)
  3. Textlicher Bericht (entsprechend dem Dokumentationstyp)
  4. Befunddatenblätter (bei Untersuchungen)
  5. Probennahmeprotokoll (sofern Proben entnommen wurden)
  6. Fotodokumentation mit Bildunterschriften
  7. Grafische Dokumentation (Pläne, Kartierungen)

Optionale Bestandteile

  • Ausstattungskatalog
  • Schadbildkatalog
  • Konzept / MaĂźnahmenempfehlungen
  • Analyseergebnisse / Gutachten
  • Historische Recherche

4. Bildliche Dokumentation – Mindestanforderungen

Die bildliche Dokumentation ist ein unverzichtbarer Bestandteil jeder restauratorischen Dokumentation.

Technische Anforderungen

Digitale Fotografien:

  • Mindestauflösung: 300 dpi bei Druckgröße
  • Dateiformat: TIFF (Archiv) oder JPEG (mind. 90% Qualität)
  • Farbprofil: sRGB oder AdobeRGB
  • Keine ĂĽbermäßige Nachbearbeitung (keine HDR, kein Heavy Compositing)
  • WeiĂźabgleich: korrekt gesetzt

Metadaten (EXIF/IPTC):

  • Aufnahmedatum
  • Kameratyp
  • Fotograf*in / Copyright
  • Objektname und Befundnummer

Pflichtfotos bei Untersuchungen

Jeder Befund muss mindestens umfassen:

  • 1 Ăśbersichtsaufnahme mit Lokalisierung
  • 1 Detailaufnahme mit Farbkarte und MaĂźstab
  • Aufnahmen aller unterschiedlichen Schichtbereiche

Pflichtfotos bei MaĂźnahmen

FĂĽr jeden Arbeitsbereich:

  • VZ (Voruntersuchungszustand) – vollständig
  • ZZ (Zwischenzustand) – alle wesentlichen Zwischenschritte
  • EZ (Endzustand) – vollständig, entsprechend den VZ-Aufnahmen

Bildunterschriften

Jedes Bild benötigt eine vollständige Bildunterschrift mit:

  • Abb.-Nr.
  • Lokalisierung (Gebäudeteil / Ebene / Raum)
  • Zustand (VZ / ZZ / EZ)
  • Beschreibung des Bildinhalts
  • Lichtquelle (Tageslicht / Kunstlicht / Streiflicht)
  • Aufnahmedatum
  • Fotograf*in

Fotodatenblatt

Pflichtfelder:

| Feld | Inhalt | |---|---| | Abb.-Nr. | Fortlaufende Nummer | | Lokalisierung | Gebäudeteil / Ebene / Raum-Nr. | | Zustand | VZ / ZZ / EZ | | Bildunterschrift | Kurzbeschreibung | | Beschreibung | Ausführliche Beschreibung des Bildinhalts | | Lichtquelle | Tageslicht / Kunstlicht / Streiflicht | | Foto-Nr. | Dateibezogene Nummer (aus Kamera) | | Fotograf*in | Name | | Datum | Aufnahmedatum |


5. Grafische Dokumentation

Anforderungen an Pläne

  • MaĂźstab: mind. 1:50 fĂĽr Ăśbersichten, 1:20 fĂĽr Details, 1:5 fĂĽr Profilzeichnungen
  • Nordpfeil (bei Grundrissen)
  • MaĂźstabsleiste (keine rein numerischen MaĂźstabsangaben)
  • Legende zu allen Symbolen, Schraffuren und Farben
  • Beschriftung: Objektname, Datum, Bearbeiter*in, MaĂźstab
  • Koordinaten: Georeferenzierung nach Möglichkeit

Befundkartierung

Die Befundkartierung trägt alle erfassten Befunde in vorhandene Pläne oder neu erstellte Aufmaßzeichnungen ein:

  • Farbkodierung der Fassungsphasen
  • Nummerierung entsprechend dem Befunddatenblattsystem
  • Darstellung des Untersuchungsrasters

Schadenspläne

Kartierung aller festgestellten Schäden:

  • Schadbildtypen entsprechend ICOMOS-ISCS / EwaGlos
  • Umfang: singulär / partiell / flächig / vollflächig
  • Bewertung: aktiv / passiv

Maßnahmenpläne

FĂĽr MaĂźnahmendokumentationen:

  • Geplante und ausgefĂĽhrte Eingriffsbereiche
  • Verwendete Methoden / Materialien (farbkodiert)
  • Abgrenzung verschiedener MaĂźnahmenbereiche

6. Form

Titelblatt

Das Titelblatt enthält folgende Informationen:

  • Name und Logo des Auftragnehmers (Restauratorfirma)
  • Dokumentationstyp: „Dokumentation einer Untersuchung" oder „Dokumentation einer MaĂźnahme"
  • Objektname
  • Adresse
  • Bauteil / Bereich (sofern nur Teilbereich dokumentiert)
  • Bearbeitungszeitraum (von – bis)
  • Verfasser*in der Dokumentation
  • Datum der Berichterstellung

Kopfzeile

Jede Seite der Dokumentation (ab Seite 2) trägt eine Kopfzeile mit:

  • Objektname
  • Dokumentationstyp (Untersuchung / MaĂźnahme)
  • Verfasser*in
  • Ggf. Seitenzahl

Format: Objektname | Untersuchung | Name des Verfassers

Projektdatenblatt

Das Projektdatenblatt ist ein standardisiertes Formular, das alle relevanten Projektdaten erfasst:

Felder des Projektdatenblatts:

| Bezeichnung | Inhalt | |---|---| | Objekt-Dok.-Nr. | Eindeutige Dokumentationsnummer (vergeben durch Auftragnehmer) | | Name des Objektes | Offizieller Objektname | | Objekt / Baugattung | Typologische Einordnung (z.B. Wohnhaus, Kirche, Denkmal) | | Bauteil / Bereich | Untersuchter/behandelter Teilbereich | | Adresse | Vollständige Anschrift | | Bauzeit | Entstehungszeitraum | | Architektin | Historischer Architekt (sofern bekannt) | | Nutzung / Funktion | Aktuelle Nutzung | | Maßnahme / Aufgabenstellung | Kurzbeschreibung der Aufgabe | | Bearbeitungszeitraum von | Beginn der Arbeiten | | Bearbeitungszeitraum bis | Ende der Arbeiten | | Eigentümerin | Name und Adresse | | Auftraggeberin | Name und Adresse (wenn abweichend) | | Auftragnehmerin | Restauratorfirma / Verfasserin | | Ausführende Firmen | Handwerksbetriebe (bei Maßnahmen) | | Planung / Bauleitung | Planende Architektinnen / Bauleitung | | Denkmalbehörde | Zuständige Untere Denkmalbehörde + Sachbearbeitung | | Bauforschung | Beteiligte Bauforscherinnen | | Gutachten / Analysen | Beteiligte Labore / Gutachterinnen | | Verfasser*in der Dokumentation | Name, Institution | | Anzahl der Exemplare | Anzahl der Ausfertigungen | | Ort der Archivierung | Verbleib der Originaldokumentation | | Datum der Ausführung | Abschluss der Maßnahme | | Datum der Berichterstellung | Abgabe des Berichts |

Seitenformat und Layout

  • Format: DIN A4 (210 Ă— 297 mm)
  • Ränder: Oben 25 mm, unten 20 mm, links 25 mm, rechts 20 mm
  • Schrift: Gut lesbare Serifenschrift oder serifenlose Schrift, mind. 10 pt FlieĂźtext
  • Seitenzahlen: Jede Seite nummeriert
  • Kopfzeile: Auf jeder Seite (auĂźer Titelblatt)

7. Material und Medien

Papier (analoge Exemplare)

FĂĽr gedruckte Exemplare gelten folgende Anforderungen:

  • Papierqualität: Alterungsbeständiges Papier nach ISO 9706 (säurefrei, archivtauglich)
  • Grammatur: mind. 80 g/m²
  • Fotos: Auf mattem Fotopapier (nicht glänzend, da verklebt)
  • Bindung: Mappe oder gelochter Ringordner (kein Klebebinder, kein Heftklammern)

Digitale Abgabe

  • Textdokument: PDF/A (ISO 19005) fĂĽr Langzeitarchivierung
  • Originalformat: Zusätzlich im Ausgangsformat (Word, InDesign etc.)
  • Fotos: TIFF-Dateien (Archivformat), JPEG nur als Beiwerk
  • Pläne: PDF + DXF/DWG (AutoCAD) oder georeferenzierte Bilddatei
  • Datenträger: USB-Stick oder Cloud-Link (kein CD/DVD mehr)
  • Dateinamen: Sprechende Namen, keine Sonderzeichen, keine Leerzeichen

Empfohlene Dateistruktur:

Projektname_ObjektDokNr/
├── 01_Bericht/
│   ├── Projektname_Bericht.pdf
│   └── Projektname_Bericht.docx
├── 02_Fotos/
│   ├── VZ/
│   ├── ZZ/
│   └── EZ/
├── 03_Grafikdokumentation/
│   ├── Pläne/
│   └── Kartierungen/
└── 04_Anlagen/
    ├── Analyseergebnisse/
    └── Produktdatenblätter/

Exemplare und Verbleib

  • Mindestens 3 Exemplare (digital und/oder gedruckt):
    1. Auftraggeber*in
    2. Denkmalbehörde / Landesdenkmalamt Berlin
    3. Auftragnehmer*in (Eigenarchiv)
  • Weitere Exemplare nach Vereinbarung (z.B. Planungsarchitekt)

8. Urheberrecht und Nutzungsrecht

Urheberrecht

Restauratorische Dokumentationen sind urheberrechtlich geschĂĽtzt. Das Urheberrecht liegt bei den Verfasserinnen (natĂĽrliche Personen / Restauratorinnen).

Nutzungsrechte

Mit Abgabe der Dokumentation räumen die Verfasser*innen dem Auftraggeber und dem Landesdenkmalamt Berlin folgende Nutzungsrechte ein:

  • Archivierung: Dauerhafte Aufbewahrung und Sicherung
  • Behördeninterne Nutzung: Verwendung fĂĽr denkmalpflegerische Zwecke
  • Wissenschaftliche Auswertung: Nutzung fĂĽr Forschung und Lehre
  • Ă–ffentlichkeitsarbeit: Verwendung in Publikationen des LDA mit Quellenangabe

Pflichten der Verfasser*innen

  • Alle in der Dokumentation verwendeten Fotos, Zeichnungen und Texte Dritter mĂĽssen urheberrechtlich geklärt sein
  • Quellenangaben sind fĂĽr alle ĂĽbernommenen Inhalte zwingend
  • Historische Fotos: Herkunft und Rechteinhaber angeben

Kennzeichnung

Alle Fotos und Zeichnungen mĂĽssen gekennzeichnet sein mit:

  • Name des/der Fotografin / Zeichnerin
  • Aufnahme-/Erstellungsdatum
  • Ggf. Copyright-Vermerk

9. Literatur und Normen

Normen und Standards

| Norm | Inhalt | |---|---| | ISO 9706 | Papier für Dokumente – Anforderungen an die Alterungsbeständigkeit | | ISO 19005 (PDF/A) | Elektronisches Dokument-Dateiformat für Langzeitarchivierung | | DIN 18915 | Norm für restauratorische Untersuchungen | | ICOMOS-ISCS 2010 | Illustrated Glossary on Stone Deterioration Patterns | | EwaGlos 2016 | European Illustrated Glossary of Conservation Terms for Wall Paintings and Architectural Surfaces | | NCS – Natural Color System | Internationales Farbsystem zur objektiven Farbkennzeichnung |

Fachliteratur

  • Brandi, Cesare (1963): Teoria del Restauro. Edizioni di Storia e Letteratura, Rom. (Dt.: Theorie der Restaurierung, MĂĽnchen 2006)
  • Philippot, Paul (1976): Historic Preservation: Philosophy, Criteria, Guidelines. In: Preservation and Conservation, Washington D.C.
  • VDR (Verband der Restauratoren): Berufsrichtlinien und Ethische Grundsätze. Aktuelle Fassung unter www.restauratoren.de
  • Landesdenkmalamt Berlin: Denkmalliste des Landes Berlin. Aktuelle Fassung unter www.stadtentwicklung.berlin.de
  • ICOMOS Deutschland: Charta von Venedig (1964) und Folgedokumente. www.icomos.de

WeiterfĂĽhrende Informationen

  • Landesdenkmalamt Berlin: www.berlin.de/landesdenkmalamt
  • Verband der Restauratoren (VDR): www.restauratoren.de
  • ICOMOS Deutschland: www.icomos.de
  • Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: www.kulturgutverluste.de

Leitfaden zur Erstellung von restauratorischen Dokumentationen – Landesdenkmalamt Berlin, Stand 2026
Alle Angaben ohne Gewähr. Bei Fragen wenden Sie sich an das Landesdenkmalamt Berlin.