Leitfaden zur Erstellung von restauratorischen Dokumentationen
Stand 2026
Inhaltsverzeichnis
- Präambel
- Dokumentation einer Untersuchung
- Dokumentation einer Maßnahme
- Anhang / Bestandteile
- Bildliche Dokumentation – Mindestanforderungen
- Grafische Dokumentation
- Form
- Material und Medien
- Urheberrecht und Nutzungsrecht
- Literatur und Normen
Präambel
Restauratorische Dokumentationen sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Denkmalschutzes. Sie sichern Wissen über den Bestand, den Zustand und die Geschichte von Kulturgütern und bilden die Grundlage für zukünftige Entscheidungen über Erhaltung, Restaurierung und Nutzung.
Dieser Leitfaden dient als einheitlicher Standard für die Erstellung restauratorischer Dokumentationen an Kulturdenkmälern.
Der Leitfaden ist verbindlich für alle restauratorischen Dokumentationen, die im Zusammenhang mit denkmalrechtlichen Genehmigungen oder öffentlichen Aufträgen erstellt werden.
Zweck der Dokumentation
- Sicherung von Befundwissen für zukünftige Generationen
- Nachweis des Zustands vor, während und nach einer Maßnahme
- Grundlage für denkmalpflegerische Entscheidungen
- Basis für Ausschreibungen und Planungen
- Schutz aller Beteiligten (Auftraggeber, Ausführende, Behörde)
Zwei Dokumentationstypen
Der Leitfaden unterscheidet zwei Grundtypen restauratorischer Dokumentationen:
- Dokumentation einer Untersuchung – Erfassung des Bestands und Zustands, Entwicklung eines Konzepts
- Dokumentation einer Maßnahme – Beschreibung aller durchgeführten Eingriffe und deren Ergebnisse
1. Dokumentation einer Untersuchung
Eine Untersuchungsdokumentation erfasst den Bestand und Zustand eines Kulturguts systematisch und vollständig. Sie bildet die Grundlage für jede spätere Maßnahme.
1.1 Bestandserfassung
Die Bestandserfassung beschreibt den vorhandenen materiellen Bestand des Untersuchungsobjekts:
- Objekt und Baugattung: Einordnung des Objekts in seinen historischen und typologischen Kontext
- Bauteil / Bereich: Genauer Untersuchungsbereich innerhalb des Objekts (Gebäudeteil, Ebene, Raum)
- Konstruktion und Material: Aufbau, Materialien, Techniken, handwerkliche Ausführung
- Ausstattung: Ausstattungselemente, Oberflächen, Farbfassungen
- Historische Entwicklung: Phasen der Entstehung, Überarbeitungen, Veränderungen
Die Bestandserfassung erfolgt auf Grundlage einer visuellen Untersuchung sowie, wo notwendig, durch Materialentnahmen (Probennahme).
1.2 Zustandserfassung
Die Zustandserfassung dokumentiert den aktuellen Erhaltungszustand des Objekts zum Zeitpunkt der Untersuchung:
- Vorhandene Schäden: Art, Lage, Umfang und Bewertung (aktiv/passiv)
- Ursachen: Schadensursachen soweit feststellbar
- Gefährdungspotenzial: Einschätzung der weiteren Schadentwicklung ohne Eingriff
- Prioritäten: Dringlichkeit von Maßnahmen
Die Zustandserfassung orientiert sich an international anerkannten Terminologien, insbesondere:
- ICOMOS-ISCS 2010 (Illustrated Glossary on Stone Deterioration Patterns)
- EwaGlos 2016 (European Illustrated Glossary of Conservation Terms)
1.3 Befunddatenblattsystem
Das Befunddatenblattsystem ist das Kernelement der Untersuchungsdokumentation. Jeder relevante Befund erhält ein eigenes Datenblatt.
Pflichtfelder des Befunddatenblatts:
| Feld | Beschreibung |
|---|---|
| Befundnummer | Eindeutige Nummerierung (pro Projekt fortlaufend) |
| Projektbezug | Objekt-Dok.-Nr. |
| Lokalisierung | Gebäudeteil / Ebene / Raum-Nr. |
| Raumelement | z.B. Wand, Tür, Fenster, Decke, Verkleidung |
| OKF (cm) | Höhe über OK Fertigfußboden |
| Schichtenaufbau | Tabelle mit Fassung, Schicht, Material, NCS, Analyse |
| Befundbeschreibung | Freitextfeld |
| Bildzuordnung | Bild-Nr. / Abb.-Nr. |
| Bildautor*in | Name |
| Datum | der Aufnahme |
Schichtenaufbau-Tabelle:
Die Schichtenaufbautabelle dokumentiert alle Fassungsschichten von außen nach innen (jüngste zuerst):
| Fassung | Schicht | Beschreibung | NCS-Code | Analyse |
|---|---|---|---|---|
| I (jüngste) | 1 | z.B. Dispersionsfarbe, weiß | NCS S 0500-N | nein |
| I | 2 | z.B. Grundierung | – | nein |
| II | 1 | z.B. Leimfarbe, gelblich | NCS S 1020-Y | ja |
| III | 1 | z.B. Ölfarbe, grau | NCS S 3000-N | nein |
Fassungsnummern: Römische Ziffern (I = jüngste, aufsteigend nach innen)
Schichtnummern: Arabische Ziffern (1 = außen, aufsteigend nach innen)
NCS-Codes: Natural Color System – Angabe soweit ermittelbar
Analyse: Kennzeichnung ob Probe zur Laboranalyse entnommen wurde
1.4 Probennahme
Die Probennahme dokumentiert alle entnommenen Materialproben systematisch.
Pflichtfelder des Probennahmeprotokolls:
| Feld | Beschreibung |
|---|---|
| Proben-Nr. | Eindeutige Kennzeichnung (P-001, P-002 …) |
| Probenmaterial | Art des Materials (Putz, Farbe, Holz, Metall …) |
| Art der Entnahme | z.B. Querschliff, Stichprobe, Bohrmehl |
| Lokalisierung der Entnahmestelle | Genaue Ortsangabe |
| Höhe über OKF | in cm |
| Entnahmetiefe | in mm |
| Witterung | Temperatur, Luftfeuchtigkeit zum Zeitpunkt der Entnahme |
| Datierung | Einschätzung der zeitlichen Zuordnung |
| Materialbeschreibung | Makroskopische Beschreibung |
| Zweck / Fragestellung | Was soll die Analyse klären? |
| Analysemethode | geplante oder durchgeführte Methode |
1.5 Naturwissenschaftliche Analysen
Naturwissenschaftliche Analysen ergänzen die visuelle Untersuchung durch objektive Materialdaten.
Gängige Analysemethoden:
- Querschliffmikroskopie – Schichtenaufbau, Pigmente, Bindemittel (Durchlicht/Auflicht)
- REM-EDX – Elementanalyse, Mineralphasen
- FTIR-Spektroskopie – Organische Bindemittel, Füllstoffe
- Röntgenbeugung (XRD) – Mineralische Phasen in Pigmenten und Bindemitteln
- GC-MS – Organische Bindemittel (Öle, Harze, Wachse, Proteine)
- Dendrochronologie – Datierung von Hölzern
- Radiokohlenstoffdatierung (C14) – Datierung organischer Materialien
Analyseergebnisse müssen dem Bericht als Anlage beigefügt werden. Befundauswertung und Schlussfolgerungen sind im Bericht zu dokumentieren.
1.6 Grafische Dokumentation
Die grafische Dokumentation ergänzt die textliche und bildliche Erfassung durch maßstäbliche Zeichnungen und Kartierungen.
Inhalte:
- Befundkartierung: Eintragung der Befunde in Grundrisse/Ansichten
- Schichtenprofile: Zeichnerische Darstellung des Schichtenaufbaus
- Schadenspläne: Kartierung der Schäden mit Legende
- Maßnahmenplanung: Vorgesehene Eingriffsbereiche
Anforderungen:
- Maßstab mindestens 1:50 für Raumdarstellungen, 1:20 für Details
- Nordpfeil und Maßstabsleiste
- Legende zu allen verwendeten Symbolen/Farben
- Angabe des Aufnahmezeitpunkts
1.7 Bildliche Dokumentation
Siehe Kapitel 4: Bildliche Dokumentation – Mindestanforderungen
Bei der Untersuchung sind insbesondere zu dokumentieren:
- Voruntersuchungszustand (VZ): Zustand vor jeglichem Eingriff
- Freilegungsschritte: Dokumentation der Befundfreilegung
- Alle relevanten Befunde: Nahaufnahmen mit Maßstab
- Gesamtansichten: Orientierungsaufnahmen des Untersuchungsbereichs
1.8 Konzept
Das Konzept schließt die Untersuchungsdokumentation ab und formuliert Handlungsempfehlungen:
Gliederung des Konzepts:
- Zusammenfassung der Befunde – Wesentliche Ergebnisse der Untersuchung
- Bewertung – Denkmalpflegerische Einschätzung der Befunde
- Ziele – Was soll durch die Maßnahme erreicht werden?
- Maßnahmenempfehlungen – Konkrete Vorschläge für Eingriffe / Erhaltungsmaßnahmen
- Prioritäten – Dringlichkeit der empfohlenen Maßnahmen
- Offene Fragen – Weiterer Untersuchungsbedarf
1.9 Ausstattungskatalog
Der Ausstattungskatalog erfasst historische Ausstattungselemente systematisch.
Pflichtfelder:
| Feld | Beschreibung |
|---|---|
| Thema | Übergeordnete Kategorie (Türen, Fenster, Böden, Decken, Treppen, Wände, Kamine, Ausstattung, Sonstiges) |
| Typ | z.B. TYP A, TYP B, TYP C (für gleichartige Elemente) |
| Abb.-Nr. | Verweis auf Bilddokumentation |
| Eindeutige Lokalisierung | Gebäudeteil / Ebene / Raum-Nr. |
| Zeitliche / Künstlerische Zuordnung | z.B. bauzeitlich ca. 1895, Überarbeitung 1930er Jahre |
| Lokalisierung (singulär/partiell/vollflächig) | Verbreitung des Typs im Objekt |
| Konstruktion | Aufbau, Verbindungen, Ausführungsart |
| Materielle Bestandteile / Überarbeitung | Verwendete Materialien, spätere Veränderungen |
| Gestaltung / Oberfläche / Farbigkeit | Form, Ornamentik, Beschaffenheit, monochrom/polychrom |
| Beschreibung / Anmerkung | Besonderheiten, Unterschiede zum Typ hervorheben |
| Bild-Nr. | Zugehörige Aufnahme(n) |
| Bildautor*in | Name |
| Datum | der Aufnahme |
2. Dokumentation einer Maßnahme
Die Maßnahmendokumentation beschreibt alle im Rahmen einer Restaurierung oder Konservierung durchgeführten Eingriffe vollständig und nachvollziehbar.
2.1 Ausgangssituation
Beschreibung des Zustands unmittelbar vor Beginn der Maßnahme:
- Bezugnahme auf vorliegende Untersuchungsdokumentation
- Aktualisierung der Befund- und Zustandserfassung sofern notwendig
- Voruntersuchungszustand (VZ) bildlich dokumentiert
2.2 Maßnahmen
Detaillierte Beschreibung aller durchgeführten Arbeitsschritte:
Für jeden Arbeitsschritt ist zu dokumentieren:
- Bezeichnung der Maßnahme: z.B. Festigung, Reinigung, Ergänzung, Retusche
- Bereich: Genaue Lokalisierung (Gebäudeteil, Raum, Bauteil)
- Methode / Technik: Genaue Beschreibung der angewandten Methode
- Materialien und Produkte: Handelsname, Hersteller, Konzentration, Mischungsverhältnis
- Ausführende Firma: Name, ggf. Qualifikation der ausführenden Person
- Zeitraum: Datum(sbereich) der Durchführung
- Zwischenzustand (ZZ): Bilddokumentation während der Maßnahme
Typische Maßnahmen in der restauratorischen Praxis:
- Konservierung / Festigung
- Reinigung (trocken / nass / mechanisch / chemisch / Laser)
- Ergänzung / Kittung / Spachtelung
- Retusche / Rekonstruktion
- Überarbeitung der Oberfläche
- Sicherung / Hinterlegung
- Schutzmaßnahmen
2.3 Ergebnis
Beschreibung des Zustands nach Abschluss aller Maßnahmen:
- Endzustand (EZ): Bilddokumentation des Ergebnisses
- Beurteilung: Bewertung des erreichten Ergebnisses
- Empfehlungen: Hinweise für zukünftige Pflege und Erhaltung
- Wartungsintervalle: Empfohlene Kontrolltermine
2.4 Bildliche Dokumentation der Maßnahme
Drei Zustände sind zwingend vollständig zu dokumentieren:
| Kürzel | Bezeichnung | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| VZ | Voruntersuchungszustand | Vor jedem Eingriff |
| ZZ | Zwischenzustand | Während der Maßnahme (nach jedem wesentlichen Schritt) |
| EZ | Endzustand | Nach vollständigem Abschluss |
2.5 Anhang
Dem Bericht beizufügende Unterlagen:
- Analyseergebnisse (Laborbefunde mit Gutachten)
- Produktdatenblätter der verwendeten Materialien
- Farbtonkarten / NCS-Belege
- Historische Bilder und Vergleichsaufnahmen
- Aufmaße und Pläne
- Schriftverkehr mit Behörden
3. Anhang / Bestandteile
Jede restauratorische Dokumentation besteht aus folgenden Pflichtbestandteilen:
Pflichtbestandteile
- Titelblatt mit: Objektname, Adresse, Dokumentationstyp, Bearbeitungszeitraum, Verfasser*in, Datum der Berichterstellung
- Projektdatenblatt (vollständig ausgefüllt)
- Textlicher Bericht (entsprechend dem Dokumentationstyp)
- Befunddatenblätter (bei Untersuchungen)
- Probennahmeprotokoll (sofern Proben entnommen wurden)
- Bilddokumentation mit Bildunterschriften
- Grafische Dokumentation (Pläne, Kartierungen)
Optionale Bestandteile
- Ausstattungskatalog
- Schadbildkatalog
- Konzept / Maßnahmenempfehlungen
- Analyseergebnisse / Gutachten
- Historische Recherche
4. Bildliche Dokumentation – Mindestanforderungen
Die bildliche Dokumentation ist ein unverzichtbarer Bestandteil jeder restauratorischen Dokumentation.
Technische Anforderungen
Digitale Bilder:
- Mindestauflösung: 300 dpi bei Druckgröße
- Dateiformat: TIFF (Archiv) oder JPEG (mind. 90% Qualität)
- Farbprofil: sRGB oder AdobeRGB
- Keine übermäßige Nachbearbeitung (keine HDR, kein Heavy Compositing)
- Weißabgleich: korrekt gesetzt
Metadaten (EXIF/IPTC):
- Aufnahmedatum
- Kameratyp
- Bildautor*in / Copyright
- Objektname und Befundnummer
Pflichtbilder bei Untersuchungen
Jeder Befund muss mindestens umfassen:
- 1 Übersichtsaufnahme mit Lokalisierung
- 1 Detailaufnahme mit Farbkarte und Maßstab
- Aufnahmen aller unterschiedlichen Schichtbereiche
Pflichtbilder bei Maßnahmen
Für jeden Arbeitsbereich:
- VZ (Voruntersuchungszustand) – vollständig
- ZZ (Zwischenzustand) – alle wesentlichen Zwischenschritte
- EZ (Endzustand) – vollständig, entsprechend den VZ-Aufnahmen
Bildunterschriften
Jedes Bild benötigt eine vollständige Bildunterschrift mit:
- Abb.-Nr.
- Lokalisierung (Gebäudeteil / Ebene / Raum)
- Zustand (VZ / ZZ / EZ)
- Beschreibung des Bildinhalts
- Lichtquelle (Tageslicht / Kunstlicht / Streiflicht)
- Aufnahmedatum
- Bildautor*in
Bilddatenblatt
Pflichtfelder:
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Abb.-Nr. | Fortlaufende Nummer |
| Lokalisierung | Gebäudeteil / Ebene / Raum-Nr. |
| Zustand | VZ / ZZ / EZ |
| Bildunterschrift | Kurzbeschreibung |
| Beschreibung | Ausführliche Beschreibung des Bildinhalts |
| Lichtquelle | Tageslicht / Kunstlicht / Streiflicht |
| Bild-Nr. | Dateibezogene Nummer (aus Kamera) |
| Bildautor*in | Name |
| Datum | Aufnahmedatum |
5. Grafische Dokumentation
Anforderungen an Pläne
- Maßstab: mind. 1:50 für Übersichten, 1:20 für Details, 1:5 für Profilzeichnungen
- Nordpfeil (bei Grundrissen)
- Maßstabsleiste (keine rein numerischen Maßstabsangaben)
- Legende zu allen Symbolen, Schraffuren und Farben
- Beschriftung: Objektname, Datum, Bearbeiter*in, Maßstab
- Koordinaten: Georeferenzierung nach Möglichkeit
Befundkartierung
Die Befundkartierung trägt alle erfassten Befunde in vorhandene Pläne oder neu erstellte Aufmaßzeichnungen ein:
- Farbkodierung der Fassungsphasen
- Nummerierung entsprechend dem Befunddatenblattsystem
- Darstellung des Untersuchungsrasters
Schadenspläne
Kartierung aller festgestellten Schäden:
- Schadbildtypen entsprechend ICOMOS-ISCS / EwaGlos
- Umfang: singulär / partiell / flächig / vollflächig
- Bewertung: aktiv / passiv
Maßnahmenpläne
Für Maßnahmendokumentationen:
- Geplante und ausgeführte Eingriffsbereiche
- Verwendete Methoden / Materialien (farbkodiert)
- Abgrenzung verschiedener Maßnahmenbereiche
6. Form
Titelblatt
Das Titelblatt enthält folgende Informationen:
- Name und Logo des Auftragnehmers (Restauratorfirma)
- Dokumentationstyp: „Dokumentation einer Untersuchung" oder „Dokumentation einer Maßnahme"
- Objektname
- Adresse
- Bauteil / Bereich (sofern nur Teilbereich dokumentiert)
- Bearbeitungszeitraum (von – bis)
- Verfasser*in der Dokumentation
- Datum der Berichterstellung
Kopfzeile
Jede Seite der Dokumentation (ab Seite 2) trägt eine Kopfzeile mit:
- Objektname
- Dokumentationstyp (Untersuchung / Maßnahme)
- Verfasser*in
- Ggf. Seitenzahl
Format: Objektname | Untersuchung | Name des Verfassers
Projektdatenblatt
Das Projektdatenblatt ist ein standardisiertes Formular, das alle relevanten Projektdaten erfasst:
Felder des Projektdatenblatts:
| Bezeichnung | Inhalt |
|---|---|
| Objekt-Dok.-Nr. | Eindeutige Dokumentationsnummer (vergeben durch Auftragnehmer) |
| Name des Objektes | Offizieller Objektname |
| Objekt / Baugattung | Typologische Einordnung (z.B. Wohnhaus, Kirche, Denkmal) |
| Bauteil / Bereich | Untersuchter/behandelter Teilbereich |
| Adresse | Vollständige Anschrift |
| Bauzeit | Entstehungszeitraum |
| Architekt*in | Historischer Architekt (sofern bekannt) |
| Nutzung / Funktion | Aktuelle Nutzung |
| Maßnahme / Aufgabenstellung | Kurzbeschreibung der Aufgabe |
| Bearbeitungszeitraum von | Beginn der Arbeiten |
| Bearbeitungszeitraum bis | Ende der Arbeiten |
| Eigentümer*in | Name und Adresse |
| Auftraggeber*in | Name und Adresse (wenn abweichend) |
| Auftragnehmer*in | Restauratorfirma / Verfasser*in |
| Ausführende Firmen | Handwerksbetriebe (bei Maßnahmen) |
| Planung / Bauleitung | Planende Architekt*innen / Bauleitung |
| Denkmalbehörde | Zuständige Untere Denkmalbehörde + Sachbearbeitung |
| Bauforschung | Beteiligte Bauforscher*innen |
| Gutachten / Analysen | Beteiligte Labore / Gutachter*innen |
| Verfasser*in der Dokumentation | Name, Institution |
| Anzahl der Exemplare | Anzahl der Ausfertigungen |
| Ort der Archivierung | Verbleib der Originaldokumentation |
| Datum der Ausführung | Abschluss der Maßnahme |
| Datum der Berichterstellung | Abgabe des Berichts |
Seitenformat und Layout
- Format: DIN A4 (210 × 297 mm)
- Ränder: Oben 25 mm, unten 20 mm, links 25 mm, rechts 20 mm
- Schrift: Gut lesbare Serifenschrift oder serifenlose Schrift, mind. 10 pt Fließtext
- Seitenzahlen: Jede Seite nummeriert
- Kopfzeile: Auf jeder Seite (außer Titelblatt)
7. Material und Medien
Papier (analoge Exemplare)
Für gedruckte Exemplare gelten folgende Anforderungen:
- Papierqualität: Alterungsbeständiges Papier nach ISO 9706 (säurefrei, archivtauglich)
- Grammatur: mind. 80 g/m²
- Bilder: Auf mattem Papier für Bildausdrucke (nicht glänzend, da verklebt)
- Bindung: Mappe oder gelochter Ringordner (kein Klebebinder, kein Heftklammern)
Digitale Abgabe
- Textdokument: PDF/A (ISO 19005) für Langzeitarchivierung
- Originalformat: Zusätzlich im Ausgangsformat (Word, InDesign etc.)
- Bilder: TIFF-Dateien (Archivformat), JPEG nur als Beiwerk
- Pläne: PDF + DXF/DWG (AutoCAD) oder georeferenzierte Bilddatei
- Datenträger: USB-Stick oder Cloud-Link (kein CD/DVD mehr)
- Dateinamen: Sprechende Namen, keine Sonderzeichen, keine Leerzeichen
Empfohlene Dateistruktur:
Projektname_ObjektDokNr/
├── 01_Bericht/
│ ├── Projektname_Bericht.pdf
│ └── Projektname_Bericht.docx
├── 02_Bilder/
│ ├── VZ/
│ ├── ZZ/
│ └── EZ/
├── 03_Grafikdokumentation/
│ ├── Pläne/
│ └── Kartierungen/
└── 04_Anlagen/
├── Analyseergebnisse/
└── Produktdatenblätter/
Exemplare und Verbleib
- Mindestens 3 Exemplare (digital und/oder gedruckt):
- Auftraggeber*in
- Denkmalbehörde
- Auftragnehmer*in (Eigenarchiv)
- Weitere Exemplare nach Vereinbarung (z.B. Planungsarchitekt)
8. Urheberrecht und Nutzungsrecht
Urheberrecht
Restauratorische Dokumentationen sind urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht liegt bei den Verfasserinnen (natürliche Personen / Restauratorinnen).
Nutzungsrechte
Mit Abgabe der Dokumentation räumen die Verfasser*innen dem Auftraggeber folgende Nutzungsrechte ein:
- Archivierung: Dauerhafte Aufbewahrung und Sicherung
- Behördeninterne Nutzung: Verwendung für denkmalpflegerische Zwecke
- Wissenschaftliche Auswertung: Nutzung für Forschung und Lehre
- Öffentlichkeitsarbeit: Verwendung in Publikationen mit Quellenangabe
Pflichten der Verfasser*innen
- Alle in der Dokumentation verwendeten Bilder, Zeichnungen und Texte Dritter müssen urheberrechtlich geklärt sein
- Quellenangaben sind für alle übernommenen Inhalte zwingend
- Historische Bilder: Herkunft und Rechteinhaber angeben
Kennzeichnung
Alle Bilder und Zeichnungen müssen gekennzeichnet sein mit:
- Name des/der Bildautorin / Zeichnerin
- Aufnahme-/Erstellungsdatum
- Ggf. Copyright-Vermerk
9. Literatur und Normen
Normen und Standards
| Norm | Inhalt |
|---|---|
| ISO 9706 | Papier für Dokumente – Anforderungen an die Alterungsbeständigkeit |
| ISO 19005 (PDF/A) | Elektronisches Dokument-Dateiformat für Langzeitarchivierung |
| DIN 18915 | Norm für restauratorische Untersuchungen |
| ICOMOS-ISCS 2010 | Illustrated Glossary on Stone Deterioration Patterns |
| EwaGlos 2016 | European Illustrated Glossary of Conservation Terms for Wall Paintings and Architectural Surfaces |
| NCS – Natural Color System | Internationales Farbsystem zur objektiven Farbkennzeichnung |
Fachliteratur
- Brandi, Cesare (1963): Teoria del Restauro. Edizioni di Storia e Letteratura, Rom. (Dt.: Theorie der Restaurierung, München 2006)
- Philippot, Paul (1976): Historic Preservation: Philosophy, Criteria, Guidelines. In: Preservation and Conservation, Washington D.C.
- VDR (Verband der Restauratoren): Berufsrichtlinien und Ethische Grundsätze. Aktuelle Fassung unter www.restauratoren.de
- ICOMOS Deutschland: Charta von Venedig (1964) und Folgedokumente. www.icomos.de
Weiterführende Informationen
- Verband der Restauratoren (VDR): www.restauratoren.de
- ICOMOS Deutschland: www.icomos.de
- Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: www.kulturgutverluste.de
Leitfaden zur Erstellung von restauratorischen Dokumentationen, Stand 2026 Alle Angaben ohne Gewähr.